Nach dem Zusammenbruch des pneumatischen Steuersystems der alten Orgel stellte sich
bedauerlicherweise der irreparable Zustand dieses bereits mehrfach umgebauten Instruments dar.
Es war im Jahre 1903 von Heinrich Koulen und seinem Sohn Max erbaut worden und galt unter
den großen romantischen Orgeln als ein bedeutendes Werk.

Eine generelle Lösung des entstandenen Orgelproblems konnte nur in einer neuen, von Grund auf
durchdachten Anlage nach dem vom Orgelbau wieder aufgenommenen, klassischen mechanischen
Bauprinzip gefunden werden. Mit dieser Arbeit wurde die Orgelbaufirma Hubert Sandtner aus Dillingen an der Donau betraut.
Wie die großen Vorbilder der Orgelbaugeschichte wurde die neue Orgel in selbsttragender Massivholzbauweise erstellt.
Diese Technik kommt vornehmlich der Klangresonanz zugute, indem sie die Schwingungen vermehrt und eine warme Abrundung des Klanges bewirkt.
Besondere Aufmerksamkeit erfuhr die Instandsetzung des in vorzüglicher Fachwerk-Konstruktion
erbauten Orgelgehäuses von 1608. In nahezu vier Jahrhunderten war es durch mehrere Erneuerungs-
und Umbauten des Innenwerks stark in Mitleidenschaft gezogen und durch Zerschneidung der
tragenden Elemente seine Eigenstatik zerstört worden. Durch den Einbau von Leimbindern konnten
sämtliche noch vorhandenen Originalteile - auch ehemals tragende - erhalten und saniert werden.
Heute nimmt das historische Gehäuse das
Hauptwerk
der Orgel auf. Der Prospekt wird von den Pfeifen des Registers Prinicpal 16' in
Originalaufstellung (ohne Cs, Ds, Fs, Gs) gebildet. Hinter dem Hauptgehäuse ist
in Höhe des Wappens und der Engelsgestalten das große
Schwellwerk
angebracht, dessen bewegliche Jalousien eine stufenlose Schattierung der Dynamik
des Klanges ermöglichen. Unmittelbar unter dem Schwellwerk und hinter den drei
mittleren Prospektfeldern sind die spanischen Trompeten 16' und 8' plaziert. Auf
eine heute auch bei uns an modernen Orgelprospekten geübte sichtbare Anbringung
dieser bis zu 2,5 m horizontal eingebauten Trompeten original spanischer Bauart
wurde aus Rücksichtnahme auf die gegebene historische Prospektanlage verzichtet.
Unter dem Hauptwerk, im Orgelfuß, befindet sich das kleine
Brustwerk,
das ebenfalls durch Jalousien in seinem Klangaustritt gesteuert werden kann.
Durchaus süddeutscher Tradition folgend, wurde das
Pedalwerk
hinter der Hauptorgel aufgestellt. Als zusätzliche Einrichtung wurde das
stilistisch und proportional dem Hauptprospekt nachempfundene
Rückpositiv
- mit dem Register Principal 8' im Prospekt - in die Brüstung gesetzt.
Nahe dem Rückpositiv ist in zentraler Lage die Platzierung des viermanualigen, freistehenden
Spieltisch so gewählt, dass der Organist nicht im Klangschatten der Orgel sitzt und freie Sicht
über die gesamte Emporenfläche hat. Dies ermöglicht erforderlichenfalls die Doppelfunktion
Orgelspiel - Chorleitung. Die Anbindung des Spieltisches geschieht über eine mechanisch
eingerichtete Spieltraktur, die mit Holzabstrakten bis zu ca. 12,5m Länge ausgerichtet ist.
Trotz dieser langen Trakturwege ist ein präzises, leichtgängiges und gleichmäßiges Orgelspiel
gewährleistet.
Die Einschaltung der Register ist elektrisch gesteuert. In 3840 freien Setzerkombinationen lassen
sich rasch die verschiedensten Klangfarben und Lautstärkegrade einspeichern und während des Spiels
abrufen, wobei die Zugknöpfe der einzelnen Register selbst ihre Stellung verändern.
Zur dynamischen Klangvielfalt steht eine 4fach Crescendo-Walze zur Verfügung. Ein manuelles
Umregistrieren einer abgerufenen Kombination ist ebenso möglich.
Damit die Orgel auch bei gekoppelten Manualen gut spielbar bleibt, verbinden elektrische
Koppelapparate das Schwellwerk und das Rückpositiv mit dem Hauptwerk.
Die direkt angespielten Werke bleiben mechanisch gesteuert.